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Donnerstag, 22. Dezember 2011

Neue Lehrer-Schüler-Konstellation

Projekt: Zehntklässler des Karlsbader Gymnasiums geben Unterricht für Grundschüler

Von unserem Mitarbeiter Klaus Müller

Karlsbad. „Lehrer zu sein, ist anstrengender als gedacht“, meint Julian lachend. Dabei hat es der Zehntklässler noch relativ einfach. Seine Schüler hören ihm zu, sind interessiert. Zugegeben, ab und zu versuchen sie auch ein wenig über die Stränge zu schlagen – aber nur ganz kurz und ohne Auswirkungen. Die Lehrer-Schüler-Konstellation, die sich da auftut, ist ohnehin nicht alltäglich: hier, als Lehrer, Zehntklässler (10a) des Karlsbader Gymnasiums, dort knapp 50 Viertklässler der Grundschule Langensteinbach.

Im Rahmen des Faches Naturwissenschaft und Technik (NWT) schlüpfen die Gymnasiasten für gut zwei Stunden in die Lehrerrolle. Praxisorientiertes Lernen spiele im Fach NWT eine wichtige Rolle, klären Harald Zieher und Susanne Müller auf. Die beiden Gymnasiallehrer begleiten das Projekt. Ihre Schüler haben zuvor zum Thema Wetter und Klima Versuche und Erklärungsmodelle ausgearbeitet. Das Wissen sollen sie nun den Grundschülern so mitteilen, dass diese es auch verstehen. „Wir können den Stoff nicht mit unserem Wissensstand erklären, sonst verstehen es die Grundschüler ja nicht“, beschreiben Judith und Alicia den grundlegenden pädagogischen Ansatz dabei. Die Lösung: anschaulicher, praxisorientierter Unterricht.

Und es funktioniert. Wie entsteht Wind? Wie ein Regenbogen? Wie entstehen Wolken? Warum steigt ein Ballon in die Höhe? Wie kann man sich den Treibhauseffekt vorstellen? Einfache Versuchsanordnungen, gepaart mit Erklärungen, bringen den Grundschülern die Antworten näher. Besonders gut kommt die Geschichte mit dem Heißluftballon und der warmen Luft an. Wenn Jannic, Mattis und Alina einen kleinen Ballon im Klassenzimmer mittels heißer Luft fliegen lassen, ist das „Hallo“ bei den Grundschülern unüberhörbar. Keine Frage, den Viertklässlern macht es Riesenspaß von Schülern, die ihre großen Brüder oder Schwestern sein könnten, unterrichtet zu werden.

„Die erklären echt gut“, lobt Lisa-Marie. „Und es macht Spaß hier“ schiebt Julie nach. „Die sind echt locker“, tönt es aus der Gruppe. „Und es ist nicht so stressig.“ Auch darüber herrscht bei den Grundschülern Einigkeit. Übrigens: Einiges an Wissen brachten die Viertklässler schon mit.

So erklärte beispielsweise Mattis die Geschichte mit der leichten warmen Luft, die nach oben steigt. Im kommenden Jahr soll es wieder ein vergleichbares Projekt geben. Wann genau ist noch nicht klar. Zuvor freilich wartet auf die Gymnasiasten noch eine Menge Arbeit.

In einer Facharbeit müssen sie nämlich schriftlich ihre Erfahrungen – „Reflexionen“ – über den Ausflug auf die andere Seite des Klassenzimmers erörtern.

Die Sieger
SCHÜLER UNTERRICHTEN SCHÜLER: Zehntklässler des Karlsbader Gymnasiums erklären hier Grundschülern das Prinzip des Heißluftballons. Foto: kdm

Mit freundlicher Genehmigung der Badischen Neuesten Nachrichten