Soziales Engagement - Hilfe für Nicaragua
Nicaragua Nicaragüita - Die Armut in Nicaragua
- Nicaragua Nicaragüita
- Nicaraguas Geschichte
- Die Armut in Nicaragua
- Aufbruch in die Berge
- Die Verhältnisse in San Pedro
- Die Arbeit der Schwestern in San Pedro
- Die Schule der Schwestern
- Von Hexen und Geistern
- Die Mädchen, die bei den Schwestern leben
- Nicaragua und seine Zukunft
- Worte des Dankes
- Alle Seiten
Die Armut in Nicaragua
Diese Armut lernte ich sehr bald kennen. In der Stadt die bettelnden Kriegsveteranen, denen sämtliche Gliedmaßen fehlen, Alte, Kinder, die an den Ampeln Autoscheiben waschen, und vor allem die ganzen Verkäufer an den Straßen und in den Bussen, die mit ihren selbstgebackenen Tortillas, Keksen oder mit Kaugummis sich etwas Geld verdienen. Man sieht sehr schnell ein, dass Kinderarbeiten wie diese nicht einfach verboten werden können, viele Familien sind auf den Verdienst dringendst angewiesen.
Und ich lernte die Armut in El Cañon, einem Slum außerhalb Managuas kennen. In diesem paradiesisch gelegenen Örtchen lebt die Mehrzahl der Menschen in verrosteten Wellblechhütten und kämpft um das alltägliche Überleben. Die Schicksale der Menschen dort, die mir diesen so anderen Wert eines Menschenlebens bewusst machten, schockten mich.
Gleich beim ersten Mal, als ich den Ort betrat, sahen wir eine heulende junge Frau, vielleicht zwei, drei Jahre älter als ich, am Wegrand sitzen. Ihr Vater lag mit einer operablen Lungenkrankheit im Krankenhaus, sie hatte allerdings kein Geld übrig, um diesen Eingriff zu ermöglichen. Somit war klar, dass er sterben würde, ohne Bezahlung operiert schließlich kein Arzt.
Der Verlust des Vaters war auch besonders deswegen schwer, da er der Einzige war, der sie unterstützte, sich mit ihren vier Kindern durchzubringen. Ihr Mann war ein paar Monate zuvor von der Bandilla, die nahe der Siedlung rumlungert, ermordet worden. Sie hatten ihn ausrauben wollen.
Sehr schnell wurde mir bewusst, dass eine Geschichte wie diese geradezu alltäglich ist und man bei der Überflutung von derartigen Schicksalen ein gesundes Maß an Mitleidfähigkeit einerseits und Nüchternheit andererseits finden muss.
Man möchte sich weder von den Grausamkeiten selbst zerstören lassen noch eine Gleichgültigkeit und Abstumpfung erleben.
Doch was ich in meinem ersten Monat erlebte, in dem ich noch Geige unterrichten und bei Konzerten mitspielen konnte, war erst der Anfang.
