Gymnasium Karlsbad



Hilfe für Nicaragua

Rundbrief Nr. 1 von Johanna Düren

Mai 2009

Hallo all ihr lieben Leute,

wie geht es euch?? Hoffentlich ist alles in Butter! Nach mehr als 2 Monaten habe ich also jetzt die Gelegenheit, mich zu melden.
Vielen herzlichen Dank für einige liebe Briefe und Mails, die mich erreicht haben. Leider kann ich heute nicht alle persönlich beantworten, aber das wird nachgeholt im Dezember, wenn ich etwas Zeit in Managua verbringe.
Die Frage: „wie ist Nicaragua?“ kann ich im Moment nur mit: "grün" beantworten. Die Region des Landes, die ich bis jetzt kennen gelernt habe, ist von leichten Hügeln durchzogen, alles in den verschiedensten Grüntönen, wunderschön! Die Erde dagegen ist rotstichig.

PapageiSan Pedro del Norte, das Dorf in dem ich bei den Schwestern lebe, hat als einzige Verbindung nach außen den Bus, mit dem ich heute morgen viereinhalb Stunden durch Schlaglöcher nach Rio Blanco getuckert bin. Rio ist auch sehr klein, aber schon etwas moderner. Es gibt sogar einige Funktelefone, über die ich etwa jede 2. Woche mit meinen Eltern telefonieren kann. San Pedro ist ein bisschen trister. Zwischen 15 und 21h, wenn der Strom kommt, sitzt die Bevölkerung dort vor den Fernsehern.
Das Leben bei den Schwestern ist von anderer Natur, bescheidener. Viel spielt sich in und um das Haus ab. Über dem Feuer kochen, essen vorbereiten, Orangen pflücken, Bananen schneiden, Feuerholz hacken, die Hühner, Enten und den Hund versorgen (seit neuestem auch einen kleinen Papagei, der mir geschenkt wurde, aber noch nicht so recht sprechen möchte), und, und, und.

Wir leben zu 5 Frauen hier:
Hermana Dora betreibt die Naturheil - und Zahnklinik, die sich direkt am Haus befindet. Sie ist eine ruhige Person, die sehr verständlich erklären kann und alles im Blick hat.
Hermana Martha ist zierlich und ein kleiner Scherzkeks, etwas vergesslich, vor allem was Namen angeht.
Hermana Sobeyda ist Anfang Oktober dem Orden beigetreten (was mit einem bunten Zusammenkommen gefeiert wurde) und 18 Jahre alt.
Mit 11 Jahren ist Zenazda, die Nichte von Hermana Dora, die jüngste. sie lebt bei den Schwestern, weil sie auf dem Land keine Möglichkeit hatte, in die Schule zu gehen.

HausarbeitDie Arbeit mit den Kindern ist sehr anstrengend. Sie kommen in die kleine Schule der Schwestern, um ihre Hausaufgaben zu machen und zu lernen (1. bis 3. Klasse). Ich bin für Mathe zuständig. Anders als in Deutschland sind sie noch viel kribbeliger, ungezogener, prügeln sich ständig, klauen sich gegenseitig Klimbims, verweigern die Arbeit ect. Doch Mittlerweile klappt es besser. Bei einigen Gelegenheiten haben wir schon gesungen und bei der nächsten Versammlung mit den Eltern, werden wir "Bruder Jakob" auf deutsch, französisch und englisch präsentieren.
Viele der Kinder sind sehr arm, haben häufig nur ein Elternteil, weil der andere sich aus dem Staub gemacht hat und einen Haufen Geschwister, müssen neben der Schule noch arbeiten, werden geschlagen ect.
Die ersten Wochen waren nicht leicht. Oft habe ich mich nicht wohl gefühlt, Heimweh gehabt. Das lag zum einen an der Armut und den Problemen der Kinder, die mir sehr zu Herzen gegangen sind und die damit verbundene Hilflosigkeit, die man empfindet, weil man doch nicht groß etwas ändern kann, außer lindern. 
Zum anderen lag es an den ganz neuen Lebensumständen, die natürlich auch mit der Armut des ganzes Landes zusammenhängen.

Inzwischen habe ich mich bei und mit den Schwestern eingelebt und auch 3 Freundinnen (eine Frau, die Besitzerin des Ladens mit dem Funktelefon, ein 15 jähriges Mädchen und eine 19 jährige, die den Spanischunterricht für die Kinder erteilt) gefunden, mit denen man mal was quatschen kann.
Auch hier neigt sich der Tag dem Abend zu und mir bleibt nicht mehr viel Zeit. Mehr im Dezember!

Liebe Grüße an euch alle,

Jojo

 

 


Quelle: Website des Gymnasiums Karlsbad (http://www.gymnasium-karlsbad.de)