Gymnasium Karlsbad



Hilfe für Nicaragua

Schwester Vida berichtet in einem Brief vom 13.03.2009 über das Kinderheim „Santa Clara“ in Bluefields und seine Kinder

Das Kinderheim Santa Clara in Bluefields / Nicaragua

Die kleineren Kinder, Eneida y Reyneri , gehen zur nächstgelegenen Schule, die sich “Nuestra Señora del Rosario” – unsere Rosenkranzfrau – nennt. Sie haben morgens Unterricht, stehen um fünf Uhr auf, kehren den Innenhof, danach waschen sie sich und machen sich fertig, um zu frühstücken und dann um 6:45 Uhr zur Schule zu gehen. Um 12:15 Uhr ist der Unterricht vorbei, die Kinder kommen nach Hause zum Mittagessen und spülen danach ihre Teller ab. Bevor die Mädchen ihre Hausaufgaben machen und lernen, ruhen sie sich etwas aus. Um 17:15 Uhr lesen wir alle gemeinsam aus der Bibel und machen Bibelarbeit, beten und singen Lieder und Lobgesänge. Danach wird gemeinsam zu Abend gegessen, und bevor die Kinder abends um acht zu Bett gehen, legen sie ihre Schuluniformen für den nächsten Tag zurecht und räumen ihre Zimmer auf.

Die größeren Kinder Majuri, Sandra y Rosa Marina wechseln sich dabei ab, Schwester María Auxiliadora in der Küche zu helfen. Beim Frühstück hilft zum Beispiel Majuri, dann helfen die anderen Mädchen beim Mittag- und Abendessen. Sie wechseln sich auch beim Wasserholen vom Brunnen ab und beim Hausputz. Um 10.30 Uhr waschen sie sich und ziehen sich an, machen ihre Hausaufgaben und lernen. Ihre Schulzeiten sind erst später am Tage, von 11.45 bis 17.15 Uhr. Wenn alle wieder zu Hause sind, setzen wir uns zusammen zum gemeinsamen Gebet und um zu singen. Danach wird zu Abend gegessen, gespült, die Schuluniformen für den nächsten Tag in Ordnung gebracht und die Mädchen plaudern über dies und das, was sie so am Tag erlebt haben. Um 20 Uhr ist auch für sie Zeit, zu Bett zu gehen.

Wir haben bei uns auch drei ganz kleine Kinder, die wir den ganzen Tag über betreuen: Vida María, die eineinhalb Jahre alt ist, Leonardo mit drei und ein weiteres Mädchen, das seit einer Woche bei uns ist, sie ist sechs Jahre alt.
Yorlene, ein chronisch krankes Mädchen, geht nicht zur Schule, aber sie verbringt ihre Zeit zu Hause auch viel mit Lesen und Schreiben. Bei ihr ist darauf zu achten, dass sie ihre Medikamente bei Zeiten einnimmt und man mit ihr zu ihren Arztterminen geht.

Wenn wir zusammen essen, dauert das meist etwas länger, denn wir nehmen uns viel Zeit, um miteinander zu reden.
An den Tagen, an denen kein Unterricht stattfindet, und am Wochenende haben die Kinder Zeit, um zu spielen, ein bisschen fernzusehen (natürlich ausschließlich kindgerechte Programme, religiöse Videos, Märchen oder Zeichentrickfilme) und in den Park zu gehen.
           
Samstag ist Putz- und Gartenpflegetag. Die größeren waschen ihre Kleider, säubern die Lebensmittelschränke, kaufen ein oder lernen besondere Gerichte zu kochen. Um neun Uhr morgens haben drei der Kinder Kommunionsunterricht in der Kirche.

Am Sonntag gehen die kleineren Kinder zur Morgenmesse. Die größeren besuchen de Messe am Mittag. Und wenn eines der Kinder Geburtstag hat, feiern wir diesen, manchmal auch mit einer Piñata.  Das ist eine Puppe aus Papier oder Pappmaschee, gefüllt mit Süßigkeiten, die man aufhängt und dann ihren Inhalt an die Kinder, die in einer Art Spiel, nach ihr greifen, verteilt.

María Auxiliadora assistiert bei den monatlichen Versammlungen der Schule und bereitet eine Mahlzeit für die Schüler vor.

Wir haben festgestellt, das die Kinder, die misshandelt oder missbraucht wurden, schwieriger sind als die anderen, die andere Probleme zu Hause hatten.
Das Familienministerium ist immer bemüht und sucht einen Psychologen, um Kinder in Bluefields richtig zu betreuen. Aber es ist sehr schwierig jemanden zu finden. Etwas anderes, das wir beobachtet haben, ist, dass sich die Kinder, die längere Zeit bei uns sind, sehr positiv entwickeln und auch fröhlicher sind.
 
Wir merken immer mehr, wie wichtig es ist, weitere Erwachsene im Heim in Bluefields zu haben. Im Jahr 2008 haben wir primär Leute mit Hilfe der Kirche gesucht. Dann auch über das Familienministerium und das Lehramt. Es waren schon drei junge Menschen hier, die nicht geeignet waren. Sie sind nicht verantwortungsbewusst und ziehen sich bei jeder Gelegenheit zurück, ohne Bescheid zu geben. In diesem Jahr, 2009, suchen wir weiter, in der Hoffnung, eine geeignete Person zu finden.

Wir wollen ein familiäres Ambiente bieten und erhalten, in dem sich die Kinder geliebt und in ihren Bedürfnissen betreut fühlen.  

Die Kleinsten sagen “Mama” zu María Auxiliadora, die größeren nennen sie Tante und zu Schwester Vida sagen sie „mita“, was soviel bedeutet wie Oma.

 

Biografie von Majuri

Majuri  bekamen wir in Bluefields. Sie wurde im Oktober 2008 von einer Dame des Familienministeriums zu uns gebracht und ist 11 Jahre alt.

Majuri ist ein kleines und sehr schmächtiges Kind. Dass es ihr an körperlicher Entwicklung fehlt, fällt einem gleich auf. Als sie zu uns kam, war sie sehr krank.
Wir brachten sie ins Gesundheitszentrum. Dort wurde festgestellt, dass sie eine Nierenentzündung hat. Die Kleine wurde behandelt und erfreulicherweise verbesserte sich ihr Gesundheitszustand schnell. Nachdem sie auch entsprechende Medikamente gegen Parasiten bekam, ging es ihr sehr viel besser. Ihr Appetit ist nun enorm und sie isst sehr gut! Ihre Kleider waren in sehr schlechten Zustand. Nun hat sie Neue.

Die Information, die uns gegeben wurde, war folgende: Majuris Mutter hatte einfach das Haus verlassen. Höchstwahrscheinlich war sie nach Cukra Hill gegangen, um dort Arbeit zu finden.
Über ihre wirklichen Absichten weiß man nichts. Sie ließ ihre drei Kinder und ein Enkelkind in den Händen des alkoholkranken Stiefvaters, von dem vermutet wird, dass er die große Schwester von Majuri vergewaltigt hat. Die Kinder wohnten quasi auf der Straße. Es kümmerte sich niemand richtig um sie.

Das Familienministerium vertraute unserem Heim Santa Clara Majuri und das Enkelkind von drei Jahren Namens Leonardo an. Nachdem ein Monat vergangen war, tauchte plötzlich die Mutter bei uns auf und wollte ihre Kinder einfach wieder mitnehmen. Wir sagten ihr, sie solle sich mit dem Familienministerium verständigen. Die Mutter war nicht alleine, sie war in Begleitung der Großmutter der Kinder. Doch die beiden Frauen waren sehr betrunken. Und den Nachforschungen und Untersuchungen nach zu urteilen, hatte die Großmutter ihre Tochter sowie auch ihre Enkel zur Prostitution gezwungen. Für die Zukunft der Kinder bietet die Familie keinerlei positiven Perspektiven.

Darum entschied das Familienministerium, dass die Kinder dieses Jahr bei uns im Heim bleiben sollten und man den Fall weiter beobachten wird.

Majuri geht nun zur Schule. Wir haben sie für die dritte Klasse angemeldet. Zu Beginn sagte sie immer, sie würde auf ihre Mama warten, damit sie mit ihr nach Hause gehen könne. Nachdem sie nun schon sechs Monate bei uns im Heim wohnt, ist sie viel ruhiger und hat sich gut in die Gruppe integriert. Ihr gefällt es sehr zu lernen, Hausarbeiten gefallen ihr allerdings gar nicht. Sie mag es nicht einmal, ihre Kleider ordentlich zu halten. Also beginnen wir gerade damit, ihr gute Verhaltensweisen und Gewohnheiten beizubringen und ihr ein Vorbild zu sein.

Seit Majuri regelmäßig zum Kindergottesdienst geht, bat sie auch darum, getauft zu werden, damit auch sie ihre Erstkommunion erhalten kann. Sie ist nun ein sehr fröhliches Kind. 

 

Biografie von Leonardo

Leonardo kam zu uns nach Bluefields, als er drei Jahre alt war. Das war im Oktober 2008. Vom Familienministerium wurde er gemeinsam mit dem Mädchen Majuri zu uns gebracht. Sie ist seine Tante.
Der Junge ist klein, er schien viel jünger zu sein. Man sah ihn an und sah einen kleinen traurigen Jungen, der für sein Alter noch sehr wenig sprach. Nachts machte er ins Bett und schrie und weinte oft. Die erste Aufgabe für uns war es, ihn zum Gesundheitszentrum zu bringen. Dort gaben sie ihm Tabletten gegen Parasiten und er bekam sofort eine Spritze. Die Ärzte meinten, er habe eine Hautallergie, da er einen starken Ausschlag hatte. Gegen seine Blutarmut gaben sie ihm Vitamine.

Nach einer Woche konnte man schon Veränderungen an dem Jungen feststellen. Er begann mehr zu lächeln, auch zu rennen und wurde immer fröhlicher. Langsam begann er auch „Mama“ zu María Auxiliadora zu sagen und mit der kleinen Vida María spielt er nun sehr gerne.

Es kamen nun schon zwei Familien, die Leonardo gerne adoptieren würden. Aber das Familienministerium sagt, sie hätten bisher noch keine Vorbereitungen getroffen, die nötig sind, um Leonardo an eine Familie zu vermitteln.

Seine Mama, welche die große Schwester von Majuri ist, ist gerademal 19 Jahre alt und körperlich eingeschränkt. Sie litt an Kinderlähmung. Eine Hand und ein Bein kann sie nicht mehr bewegen. Wer der Vater ist, weiß man nicht. Die Nachbarn meinen ja, es sei vom Stiefvater selbst.
Leonardos Mutter arbeitet nun leider als Prostituierte. Begleitet von einer Tante zog sie in ein anderes Dorf namens Rama. Sie ließ ihren Jungen zurück, als er noch klein war. Leonardo erlitt auch das, was seine Geschwister erleiden mussten, die in auf der Straße lebten, ohne Essen und richtige Kleidung.

Obwohl wir eigentlich keine Jungen aufnehmen, entschieden wir, Leonardo könne bei uns bleiben, da er noch so klein ist. Er ist ein sehr liebes Kind und es gefällt allen sehr, mit ihm zusammen zu spielen.

 

Die Namen der Kinder wurden verändert.   Übersetzt von Lisa Müller. 

 


Quelle: Website des Gymnasiums Karlsbad (http://www.gymnasium-karlsbad.de)