Hilfe für Nicaragua
Wie alles anfing
Nicaragua zählt zu den ärmsten Ländern in Mittel- und Südamerika. 60 bis 70% der Bevölkerung sind arbeitslos. 40% leben weit unter dem Existenzminimum. Die materielle Not ist Hauptursache dafür, dass viele Kinder und Jugendliche keine (oder eine nur dürftige) Schulbildung erhalten. Damit haben sie keine Chancen einen qualifizierten Beruf zu ergreifen: Der Teufelskreis aus Unwissenheit und Armut dreht sich weiter.
Das Gymnasium Karlsbad engagierte sich zum ersten Mal im Dezember 1999 für Kinder in Nicaragua. Durch persönlichen Kontakt war eine Verbindung zum "Ettlinger Freundeskreis für Nicaragua e.V." entstanden, der seit geraumer Zeit fünf Grundschulen und ein Kinderheim in der Hauptstadt Managua und Umgebung finanziert. Eine erste Geldsammlung im Schul-Weihnachtsgottesdienst (rund 700 DM) wurde dorthin überwiesen.
Durch Briefe sowie Informationen des Freundeskreises entstand nach und nach ein deutlicheres Bild von der Lebens- und Ausbildungssituation in diesem Land.
Das Gymnasium verstärkte seine Aktivitäten: Am letzten Tag des Schuljahres 2000 wurde eine große Palette Sachspenden zur Verschiffung nach Nicaragua abgeholt. Schüler-, Lehrer/innen und Eltern hatten jede Menge Schreibhefte und Papier, Schreibgeräte, Bastelmaterial, Kuscheltiere und Hygieneartikel gespendet. Die Sendung kam unbeschädigt an und löste viel Freude aus. Allerdings blieb sie erklärtermaßen eine Einzelaktion: nicht nur der hohen Frachtkosten, sondern auch der nicaraguanischen Wirtschaft wegen.
Die Nachrichten über den verheerenden Hurrican im Oktober 2000 hatten eine größere Geldsammlung zur Folge, wobei einzelne Klassen und Schüler Fantasie entwickelten (Extra-Kuchenverkauf, Verkauf von Bastelartikeln).
Im Juli 2001 feierte das Gymnasium sein 30-jähriges Bestehen. Frau Beate Ratzke vom Gymnasium Wertheim, die in den Osterferien Managua besucht hatte, berichtete mit Hilfe von Dias über ihre Eindrücke, besonders von den unterstützten Schulen.
Die Hälfte der Festtagseinnahmen -2500 DM - wurde an den Ettlinger Förderverein, der sich inzwischen "Freundschaftsbrücke Nicaragua" nennt, überwiesen.
Im Lauf der Zeit entstand der Wunsch, sich selbst - als Schule - ein Bild von der Lage in Nicaragua zu machen und persönliche Kontakte zu knüpfen. Monika Nolte (Fächer: Deutsch, Katholische Religion) nahm deshalb gern die Einladung ihrer Freundin Irma Koch an, die seit drei Jahren als Lehrerin am Konservatorium in Managua lebt. Dank deren Vermittlung und Begleitung gewann Frau Nolte ein äußerst vielschichtiges Bild "von Land und Leuten", wobei die Situation "der Armen" den Schwerpunkt bildete. Wertvolle Erfahrungen konnte ebenso Elisabeth Schorb, Abiturientin des Gymnasiums, machen, die zeitgleich (insgesamt aber fast 7 Wochen lang) dort war.
Fazit von beiden: Eine solcher Aufenthalt in einem "armen" Land ist von unersetzlichem Wert: zunächst als persönliche Bereicherung, aber auch - bei entsprechender Umsetzung - für die Schule. Mit Begriffen wie "Dritte Welt", "arm-reich", "Menschenrechte", "Verantwortung" verbinden sich individuelle Gesichter, konkrete Situationen, und es wird klar, dass es nicht genügt, nur durch Geldspenden oder theoretische Diskussionen das eigene oder kollektive Gewissen zu beschwichtigen. Für Schüler-, Lehrer/innen und Eltern wird es eine gemeinsame Aufgabe sein, die "Hilfe für Nicaragua" so fruchtbar wie möglich zu gestalten.