Theater
Arthur Millers "Hexenjagd" am Karlsbader Gymnasium
Am Frühlingsabend des 30. Aprils war es so weit: große Theaterpremiere am Karlsbader Gymnasium. Atemlose Spannung unter den Zuschauern in der Aula des Schulzentrums. Dann erlosch das Licht und der Vorhang öffnete sich für Arthur Millers „Hexenjagd“. Die Theater AG des Gymnasiums Karlsbad hat unter Leitung von Jörg Vögely mit dieser anspruchsvollen Inszenierung nicht nur die Auswirkung des gesellschaftlichen Terrors einer Hexenverfolgungen auf die Bühne gebracht, sie hat mit dieser Tragödie die Absurdität der kollektiven Kommunistenfurcht während der McCarthy-Ära einer scharfen sozialkritischen Betrachtung unterzogen.
Im puritanischen Städtchen Salem breitet sich im Jahr 1692 die Glut des Bösen unter den Gottesfürchtigen aus: der Hexenwahn. Der nächtliche Tanz einiger Mädchen mit der abergläubischen Sklavin Tituba, dargestellt von Lisa Müller, wird von Pastor Parris, gespielt von Caspar Hauer, beobachtet. Unter den Beschuldigten befinden sich neben Mercy Lewis und Mary Warren, die von Victoria Grießmeier und Carmen Ochs dargestellt wurden, auch die Tochter des Pastors, Betty Parris, verkörpert von Franziska Pietsch, und dessen Nichte, Abigail Williams, deren berechnendes und taktierendes Wesen von Constanze Zacharias überzeugend dargeboten wurde. Die puritanische Gemeinde folgert, geleitet von religiösem Fanatismus, dass der Teufel in Salem sein Unwesen treiben müsse. Der Funke des Hexenwahns war entzündet. Über die Mädchen soll nun Richter Danforth, von Tim Weiler gespielt, entscheiden. Er wird von Rechtsdiener Cheever, spielerisch umgesetzt von Joachim Lang, unterstützt. Die drakonischen Strafen vor Augen beschuldigen die Mädchen ihre Mitbürger. Eine wahre Hexenjagd beginnt. Inquisitorische Verhöre werden vorgenommen und Denunzianten, wie die von Philipp Gerstner und Stefanie Köhler dargestellten Thomas und Ann Putnam, beschuldigen Konkurrenten und Nachbarn. Viele Opfer müssen den Wahn mit ihrem Leben bezahlen, wie Rebecca Nurse, gespielt von Vanessa Kalus. Nur wenige, wie Giles Corey, der von Steffen Schlör interpretiert wurde, durchschauen das üble Spiel. Einen besonderen Raum nimmt das üble Spiel der Abigail Williams ein. Mit falschen Anschuldigungen will Abigail die Konkurrentin und Ehefrau ihres Liebhabers John Proctor, dargestellt von Rene Mohr, aus dem Weg räumen. Der vergebliche Kampf Elizabeth Proctors um Ehemann und Leben wurde von Mirjam Karcher überzeugend gespielt. Obwohl Pastor Hale als Kirchenbeauftragter für Hexenangelegenheiten, von Christian Bauer in Szene gesetzt, das falsche Spiel durchschaut, kann er den Lauf der Dinge nicht aufhalten. Auch John Proctor wird vom Richter wegen Hexerei zum Tode verurteilt. Es kommt zum Finale, in dem die ganze Absurdität offenbar wird: Soll Proctor öffentlich gestehen, oder aber seine Ehre retten?
Es war beeindruckend zu sehen, zu welch großartiger Leistung die Theatergruppe des Karlsbader Gymnasiums in der Lage ist. Der stürmische und lang anhaltende Beifall des begeisterten Publikums sind Lohn und Anerkennung für diese wunderbare Inszenierung. Natürlich dürfen an dieser Stelle die Souffleuse Frauke Hubal, die Bühnenbauer Christian Scholvien und Caspar Hauer, der Dramaturg Christian Bauer, die Maske Kathrin Schroth sowie Rolf Busam, der für die künstlerische Gestaltung und Bettina Merkle, die für das Plakatmotiv zuständig waren, genauso wenig vergessen werden, wie Nico Irmler und Tobias Rausch, die sich für die technische Leitung verantwortlich zeigten. Zu erwähnen ist ferner Rudi Gallus, der die Koordination des Hexendossiers übernahm. Ein besonderer Dank geht natürlich an Jörg Vögely, der diese hervorragende Aufführung mit unermüdlichem Einsatz inszenierte. Es ist zu hoffen, dass die Theater AG des Gymnasiums Karlsbad unter seiner Leitung bald wieder das Publikum erfreuen wird.