Gymnasium Karlsbad



Theater

Tartuffe begeisterte die Zuschauer

Die Theatergruppe des Gymnasiums Karlsbad am Ende ihrer langen Proben. Für den Abend des 31. März 2002 ist die Premiere von Molières Kommödienklassiker "Tartuffe" in einer Inszenierung von Oberstudienrat Jörg Vögely angekündigt. Die Aula ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Neben Lehrern, Eltern und Freunden sind viele weitere Gäste erschienen. Gespannte Stille. Dann erlosch das Licht und der Vorhang öffnete sich für das wohl berühmteste Stück des klassischen französischen Repertoires. Diese 1664 in Paris uraufgeführte Komödie gehört mit ihrem hohen künstlerischen Anspruch zu den bedeutendsten Werken Molières.
Die Theater AG des Gymnasiums Karlsbad unter Leitung von Jörg Vögely hat mit "Tartuffe" einen Klassiker auf die Bühne gebracht, der auch nach mehr als 330 Jahren nichts von seiner Wirkung verloren hat, weil Charaktere dargestellt werden, die jederzeit aktuell sind. Tartuffe ist ein Stück über Heuchelei und Betrug, über Betrüger, Betrogene und betrogene Betrüger. Es entsteht ein Wechselbad der Gefühle, eine dramatische Tragödie und zugleich Komödie, die uns das Lachen im Halse stecken bleiben läßt.
Tartuffe, überzeugend gespielt von Erik Granacher, ist kein frommer Mensch auf Abwegen, sondern ein Schurke, der nur den Anschein des Frommen gibt. Gegen Tartuffe ist Orgons Schwager Cléante, dargestellt von Falco Hüser, gestellt, vernünftig und kompromißbereit. Ihm entspricht der gesunde Menschenverstand der Zofe Dorine, dargestellt von Louisa Knobloch. Jörg Schmidtobreick spielte Orgon, der in der Anordnung des Spiels und seiner Figuren die modernste Gestalt ist, vielschichtig, fast tragikomisch. Tartuffe, der kraftvolle Frauenheld, der raffinierte Schurke und Heuchler, täuscht den reichen Bürger Orgon und nistet sich in dessen Haus ein. Das Vertrauen Orgons in Tartuffe ist so groß, daß er ihm nicht nur seine Tochter Mariane, gespielt von Veronica Block, zur Frau verspricht, sondern auch seinen eigenen Sohn Damis (Caspar Hauer) verstößt, enterbt und seinen ganzen Besitz Tartuffe überschreibt.
Doch die anderen Familienmitglieder ahnen, daß Tartuffe nur ein Scheinheiliger ist. Erst als die Familie arrangiert, dass Orgon heimlich beobachten kann, wie Tartuffe seiner Frau (Jessica Vogel) amouröse Avancen macht, jagt ihn Orgon aus dem Haus. Der Verlobte der Mariane (Stefan Oden), Madame Pernelle (Constanze Zacharias), sie alle leiden von Tag zu Tag mehr und sind doch auch verwickelt in diesem Spiel der Intrigen. Da es um Immobilien geht, kommt die Justiz ins Spiel. Die Gerichtsvollzieherin Madame Loyale, gespielt von Kathrin Schroth und ein Staatsbeamter (Felix Reichert) beteiligen sich an der schwarzen Komödie, an deren Schluß die Katastrophe natürlich doch noch abgewendet wird.
Die beeindruckende Aufführung fand den stürmischen und langanhaltenden Beifall des begeisterten Publikums als Lohn. Die Theatergruppe des Gymnasiums Karlsbad hat mit dieser Aufführung bewiesen, zu welch großer Leistung eine Schulbühne in der Lage ist. Natürlich dürfen auch die Souffleusen Miriam Karcher und Anja Soder, die vielen Helfer vom Bühnenbauer Christian Scholvin bis zu den Beleuchtern Roland Fritze und Ingo Scholtz genauso wenig vergessen werden wie die Technische Leitung (Erik Scholtz und Sven Dick), die Maske (Juliane Dollinger) und Thies Straehler-Pohl, der das Plakat entwarf, ebenso wie Birgit Höptner am Klavier und Erik Granacher am Saxophon, die für stimmungsvolle musikalische Einlagen sorgten. Alle haben ihren großen Teil zum Gelingen der Aufführung beigetragen. Es ist zu hoffen, daß die Theater AG des Gymnasiums Karlsbad bald wieder eine Inszenierung aufführen.

Ralf Slot


Quelle: Website des Gymnasiums Karlsbad (http://www.gymnasium-karlsbad.de)