Fachschaft Spanisch
"Spanisch am Gymnasium Karlsbad? Seit wann gibt es das
denn? Was, man kann in Spanisch sogar einen Grundkurs belegen und eine mündliche
Abiturprüfung machen? Wieso ging das denn nicht in meinem Jahrgang? Das
hätte ich doch auch gemacht!" Nichts kennzeichnet die Situation des
Fachs Spanisch an unserer Schule besser als diese Fragen und Äußerungen
von Schülerinnen und Schülern.
Seit 1986 wurden mit ziemlicher Regelmäßigkeit zweistündige
Arbeitsgemeinschaften für Anfänger in Spanisch angeboten, die
aber mit dem Ende des jeweiligen Schuljahres ausliefen. Der bleibende Wert
solcher
Kurse hielt sich Grenzen, da die Fortführung im folgenden Jahr zur
Vertiefung und Erweiterung des Erlernten fehlte. Das änderte sich
ab dem Jahre 1990, als der ehemalige Anfängerkurs fortgesetzt werden
durfte. Neben dem Interesse an der Sprache selbst kam für die Schülerinnen
und Schüler ein
Angebot des Oberschulamtes als neue Motivation hinzu: "Spanisch als
spätbeginnende
Sprache" hieß das Zauberwort. Was sich so harmlos anhört,
bedeutete für die interessierten Schüler harte Knochenarbeit:
Das Ministerium für Kultus und Unterricht ebnete den Weg zu einem
Grundkurs Spanisch über
eine zweistündige Spanisch-AG in der 10. und 11. Klasse bzw. über
eine dreistündige AG nur in der 11 . Klasse, jeweils nachmittags nach
dem regulären Unterricht. Das Ziel vor Augen, in einer weiteren Sprache
einen Grundkurs in der Jahrgangsstufe 12 und 13 belegen zu können
und eventuell sogar eine mündliche Abiturprüfung zu wagen, motivierte
von nun an viele Schülerinnen und Schüler. Der erste Grundkurs
entstand aus einer großen zweijährigen Arbeitsgemeinschaft,
der zweite und dritte jeweils aus einer dreistündigen AG der 11.-Kläßler.
Das Land
hinter den Pyrenäen mit seinen sonnigen Küsten, seinen sehenswerten
Monumenten - und nicht zuletzt den fröhlichen kommunikativen Menschen
- übt schon lange eine große Anziehungskraft auf die Deutschen aus.
Dies schlägt sich auch in der Tatsache nieder, dass Spanien nicht nur
seit Jahrzehnten ein bevorzugtes Urlaubsziel ist, sondern auch drittes
bzw. viertes Einwanderungsland auswanderungsfreudiger Deutscher. Beliebtester
Standort
ist immer noch die Costa Blanca zwischen Valencia und Alicante sowie
die Balearen. Dabei ist es bedauerlich, das sich spanische Kommunen immer
wieder über
die mangelnde Integrationsbereitschaft ihrer Nachbarn aus dem Norden
beklagen müssen und kein Verständnis dafür aufbringen können, dass
diese oft kein Spanisch lernen wollen.
Es ist
eine Tatsache, dass die blumenreiche spanische Sprache in ihren Anfängen
- im Gegensatz zum Französischen - so einfach zu erlernen ist. Die Lieder
der Tuna, der Flamenco oder die Latinomusik - wie der gesamte hispanische
Kulturraum überhaupt
- tun ein übriges, junge Menschen für diese Sprache zu begeistern.
Spanisch ist aber nicht nur schön, sondern auch äußerst nützlich.
Immerhin sprechen inzwischen ca. 380 Millionen Menschen das "castellano" von
Miguel de Cervantes und Francisco Garcia Lorca sowie Gabriel Garcia
Márquez
oder Isabel Allende als Muttersprache. Allein im Süden der USA leben
gegenwärtig
ca. 20 Millionen "hispanos", was die zunehmende Zahl spanischer
Fernseh- und Radiostationen erklärt. Die zahlreichen Länder Mittel-
und Südamerikas bieten ein breitgefächertes Feld für die Beschäftigung
mit unterschiedlichen Dialekten und sprachlichen Eigenheiten, die
von Land zu Land höchst verschieden sein können. Gleichzeitig lassen
sich eine Vielzahl von interessanten politischen, wirtschaftlichen
und historischen
Aspekten wie die Revolutionen von Mexiko und Cuba oder die aktuellen
Probleme Venezuelas, Argentimens, Perus oder Boliviens in den Unterricht
einbauen.
Die
Zukunftsfähigkeit der spanischen Sprache und ihr Ausdehnungsgebiet
mit vielen beruflichen Möglichkeiten sind der Grund
dafür, das in norddeutschen Bundesländern Spanisch als zweite
oder manchmal sogar erste Fremdsprachen an Gymnasien seinen festen
Platz hat.
Inzwischen haben sich auch immer mehr Gymnasien in Baden-Württemberg
für Spanisch als dritte Fremdsprache entschieden, so dass die
Schülerinnen
und Schüler diese Sprache im Rahmen ihres regulären Stundenplans
erlernen und sie auch als Leistungskurs bzw. seit diesem Schuljahr
als sogenanntens Kernkompetenzfach mit der Möglichkeit der schriftlichen
und mündlichen
Abiturprüfung wählen können. Auch in unserem Umfeld
von Karlsruhe-Stadt und Karlsruhe-Land ist die Zahl der Schulen
mit Spanisch
als offizieller
dritter Sprache in den letzten Jahren stark angestiegen.
Inzwischen haben sich auch die Universitäten und Fachhochschulen in
hohem Masse auf die Nachfrage nach Spanisch eingestellt. So bietet zum Beispiel
die Universität Mannheim im Bereich Hispanik die Studiengänge der
Diplom-Romanistik , des Lehrsamts, des Magister (MA) und des Bachelor of
Arts (B.A./M.A.) an. Selbst an der "Fachhochschule Karlsruhe-Hochschule
für Technik" hat das Interesse an spanischen Klausuren - im Gegensatz
zu den französischen - und an entsprechendem Studierenden-Austausch
deutlich zugelegt. An unserer Schule ist das Interesse an dieser romanischen
Sprache ebenfalls groß, denn immer mehr Schülerinnen und Schüler
erkundigen sich nach den Arbeitsgemeinschaften, die über den mühsamen
Weg des Nachmittagsunterrichts zu einem Grundkurs geführt
haben.
Fragt man
die Teilnehmerinnen und Teilnehmer solcher Arbeitsgemeinschaften nach der
Motivation, warum sie zwei bis vier Jahre den Nachmittagsunterricht
durchgehalten haben, so sind die Antworten vielsagend: "Ich will
Spanisch studieren". " Mir hat die Lektüre spanischer und
lateinamerikanischer Texte gefallen". "Wir wollen zusammen
ein Halbjahres-Praktikum in Südamerika machen". "Mich faszinieren
die Städte
Barcelona und Madrid sowie die Maya-Kultur auf der mexikanischen
Halbinsel Yucatán.
Spanien, das Land der vielen Feste, des Flamenco und des Stierkampfes,
der grossen Maler und Schriftsteller scheint manchem eine Reise
wert, um die
erworbenen Kenntnisse anwenden zu können, aber auch, um die so unterschiedlichen
Regionen wie Galizien im Norden und Andalusien im Süden kennen zu lernen.
Mit dem zweiten Grundkurs Spanisch wurde übrigens sogar eine einwöchige
Studienfahrt nach Madrid und Toledo ermöglicht.
Die zunehmende Nachfrage nach Spanisch auch an unserer Schule
steht in krassem Gegensatz zur Zahl der tatsächlich vorhandenen
Lehrkräfte mit der
entsprechenden Ausbildung im Oberschulamts-Bereich Karlsruhe.
Da die jungen Oberreferendarinnen, die vor etwa sechs bis zehn
Jahren auch am Gymnasium
Karlsbad ausgebildet wurden, anschließend - wie auch an
anderen Schulen - keine Stelle fanden oder nur unter erschwerten
Bedingungen , ist naturgemäß die
Zahl der Spanischstudenten in den Seminaren rückläufig.
Schulleiter Braun sucht bereits seit zwei Jahren händeringend
nach mindestens einer Lehrkraft für Spanisch bzw. Oberreferendaren.
Aber die Antwort der Oberschulamtes ist immer wieder negativ,
da zuerst die Gymnasien mit Spanisch als dritter
Fremdsprache versorgt werden müssen. Bleibt zu hoffen, dass
sich dieser Mangel bei jungen Studierenden herumgesprochen hat
und diese ein entsprechendes
Studium aufnehmen, damit auch am Gymnasium Karlsbad diese für
unseren Kulturraum zweitwichtigste Sprache nicht ausstirbt.